Zur Unzeit herzkrank

Projektname

Zur Unzeit herzkrank. Zeitstrukturen des guten Lebens in der Psychokardiologie.

(Teilprojekt des DFG-Projekts "Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens" der FOR5022)

 

Kurzbeschreibung

Das Projekt betrachtet Veränderungen in der Wahrnehmung und Gestaltung von Zeit und gutem Leben bei Menschen, die von einer vorzeitigen und damit subjektiv oft „unzeitigen“ Herzkrankheit betroffen sind. Die Erfahrung „plötzlich vorgealtert“ zu sein, stellt einerseits ein häufiges Phänomen bei Herzerkrankten im mittleren Lebensalter dar. Andererseits haben Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler (EMAH) Schwierigkeiten, die altersentsprechenden Entwicklungsschritte wie Gleichaltrige gehen zu können, sodass Gefühle des „Andersseins“ auftreten können. Untersucht wird an und mit diesen Personen und einer Gruppe von Angehörigen, wie die Erkrankung des Herzens als sinnbildlicher Taktgeber des Lebens das Erleben und die Gestaltung der Zeit, etwa Aspekte von Zeitsouveränität, Generationenbeziehungen sowie den Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beeinflussen kann.

In unserer qualitativen empirischen Querschnittsstudie stehen somit die Untersuchung des individuellen Zeiterlebens und subjektiven Vorstellungen des „guten Lebens“ im Kontext der Erkrankung im Mittelpunkt.  Wie Herzpatient*innen ihre Erkrankung unter diesen Aspekten erleben, soll mittels semi-strukturierter Interviews an zwei Patientengruppen untersucht werden: einerseits jungen Patient*innen mit angeborenem Herzfehler (im Alter von 18-30 Jahren), sowie deren Angehörigen, und andererseits Patient*innen mit erworbener Herzkrankheit (Alter zwischen 30 und 59 Jahren). Die Gespräche sollen audio- und videographiert werden und im Anschluss mit phänomenologischen und psychodynamischen Methoden ausgewertet werden. Dafür stehen die wissenschaftlich gut etablierten Methoden der Interpretativ-phänomenologischen Analyse (Smith et al. 2009) sowie der OPD-2 und des Zentralen Beziehungskonfliktthemas (Luborsky 1990) als Auswertungstechniken zur Verfügung. Inwiefern dadurch auch an ältere psychopathologische Konzepte von Zeitpathologien (u.a. Minkowski, Straus, Gebsattel, Blankenburg) angeknüpft werden kann, bleibt abzuwarten. In einer anwendungsorientierten Perspektive soll geprüft werden, ob und wie das Konzept der Lebensqualität durch unsere qualitativen Ergebnisse um wichtige subjektive Erfahrungen ergänzt und erweitert werden kann.

Die Studie ist ein Teilprojekt der von der DFG geförderten interdisziplinären Forschungsgruppe „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens “ unter der Leitung der Medizinethikerin Prof. Claudia Wiesemann und zunächst für vier Jahre (2021-2025) angelegt.

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Prof. Dr. med. Christoph Herrmann-Lingen (Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie)

Dr. med. Daniel Broschmann (Postdoktorand)

Lisa Nebel (Doktorandin)

 

Funding

Diese Studie wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Für Projektdetails siehe:

https://egmed.uni-goettingen.de/de/forschung/medizin-und-die-zeitstruktur-guten-lebens-for-5022/

 

Kontakt

 

Dr. med. Daniel Broschmann M. Sc. Psych. Lisa Nebel