Tinnitus

Patienteninformation Stand 27.08.2020

Allgemeines

Als Tinnitus aurium (lateinisch = „Klingeln der Ohren“) bezeichnet man eine langanhaltende Geräuschwahrnehmung im Ohr, die meist keine äußere Quelle hat. Hierbei kann es sich um einen Ton, häufig ein „Piepen“ oder „Pfeifen“, oder auch ein rauschendes oder anderes Geräusch in jeder Frequenz handeln. Ca. 5-15% der Bevölkerung ist von Tinnitus betroffen, vermehrt Menschen über dem 65. Lebensjahr. 

Symptomatik

Betroffene beschreiben ein anhaltendes Geräusch im Ohr, das allerdings nicht durch ein akustisches Signal verursacht wird und keinen Informationscharakter hat. Hierbei können auch phasenweise geräuschfreie Momente auftreten. Es wird zwischen zwei Formen des Tinnitus unterschieden: werden die Geräusche im Körper erzeugt und zum Ohr weitergeleitet, so handelt es sich um einen sog. objektiven Tinnitus, während von subjektivem Tinnitus (als häufigster Form) die Rede ist, wenn keine körperliche Ursache festzustellen ist. Zudem unterscheidet man auch zwischen akutem Tinnitus, unter 3 Monaten, und chronischem Tinnitus, über 3 Monaten.

Psychologische und biologische Faktoren

Bei Tinnitus-Patient*innen scheint einerseits eine erhöhte Erregung sog. (zentraler) auditorischer Bahnen vorzuliegen. Dies sind Fasern, die Sinnesreize vom Innenohr zum Großhirn übermitteln. Eine solche Erregung kann z.B. durch Kompensation bei Abnahme der Hörfähigkeit entstehen. Auch eine abnormale Aktivität der Eingänge des somatosensorischen Cortex kann eine Rolle spielen. Dies ist ein Gehirnbereich, der u.a. verantwortlich für die körperliche Eigenwahrnehmung ist. So können z.B. Kiefergelenksbeschwerden zur Entstehung von Tinnitus beitragen. Zuletzt können auch Bereiche, die für die Verarbeitung belastender Emotionen und emotionalen Stress verantwortlich sind, wie das Limbische System, aktiviert werden. Somit kann chronischer Stress zu einer Belastung des auditiven Systems führen und Tinnitus nicht selten durch psychologische Ursachen mit erklärt werden.

Längerfristiger emotionaler Stress wird von 60% aller Tinnitus-Betroffenen angegeben.  Je stärker hierbei die emotionale Erschöpfung ist, desto häufiger kann Tinnitus auftreten. Wer eine stark belastende, chronische Tinnitus-Symptomatik entwickelt, leidet tendenziell unter verstärkter Sorge, Anspannung und/oder Reizbarkeit, sowie verstärkten alltäglichen Belastungen (z.B. in Beruf und Familie). Nicht selten liegen auch psychische Symptome wie Depressionen oder Ängste vor. Oft achten Patient*innen sehr genau auf Signale ihres Körpers und suchen somit häufig eine Vielzahl von Ärzt*innen zur Abklärung der Erkrankung auf. Kann dann keine medizinische Ursache gefunden werden, führt dies oft zu Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Dies kann zu starker Fokussierung führen und eine Stressreaktion auslösen: sich somit in einem „Teufelskreis“ negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

 

Behandlungsmöglichkeit

Nach eingehender medizinischer Abklärung (neurologisch und HNO-ärztlich) ohne erklärenden Befund sollte gemeinsam mit einem Fachexperten für Psychosomatische Medizin, Psychiatrie oder Psychologie herausgefunden werden, ob die Beschwerden mit psychischen Belastungen in Zusammenhang stehen oder Teil einer psychischen Erkrankung sind. Sollte dies der Fall sein, ist eine Psychotherapie (Verhaltenstherapie) die beste Behandlungsmöglichkeit. Dabei kann es darum gehen, zu verstehen, woher die Symptome kommen und ob diese mit Situationen, die z. B. Angst oder Ärger auslösen, in Zusammenhang stehen. Werden die hinter den Schmerzen liegenden Gefühle besser wahrgenommen und geäußert, kann dies zu mehr Lebensqualität verhelfen. Auch kann eine psychotherapeutische Behandlung einen besseren Zugang zu und Umgang mit der Erkrankung ermöglichen.  Stressbewältigung und -reduktion sollten hierbei im Vordergrund stehen. Zusätzlich kann auch das Erlernen von Entspannungsmethoden hilfreich sein.

 

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