Migräne

Patienteninformation Stand 07.10.2020

Allgemeines

Bei einer Migräne treten starke, oft einseitige Kopfschmerzen anfallsartig auf. Oft werden diese als „pochend“ oder „pulsierend“ beschrieben. Migräneattacken sind von unterschiedlicher Dauer, zwischen 4 und 72 h (sog. Status). Dabei kann der Schmerz auch auf die andere Seite wechseln.  Etwa 10-15% der Bevölkerung leiden unter Migräne, wobei die Mehrzahl der Betroffenen weiblich ist.

Symptomatik

Zusätzlich zu den beschriebenen Kopfschmerzen treten bei Migräne auch häufig Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue, Lärmempfindlichkeit oder Geruchsempfindlichkeit auf. Die Symptome nehmen meist bei Aktivität zu. Viele Patient*innen beschreiben auch eine „Aura“, d.h. ein Vorgefühl für die Migräne, das mit neurologischen Symptomen (z.B.  Seh- oder Sprachstörungen) einhergeht. Diese lassen aber gegen Ende der Attacke nach. Die Aurasymptome sind zu unterscheiden von solchen Symptomen, die längere Zeit vor der Migräneattacke auftreten und diese als Verhaltensänderung ankündigen.

 

Psychologische und biologische Faktoren

Man geht davon aus, dass bei einer Migräne genetische, physiologische, biochemische, aber auch psychosoziale Prädispositionen eine Rolle spielen können. Es wird u.a. ein problematischer Umgang mit Stress als ursächlich vermutet, der mit einer Fehlregulation von Muskeln und der Blutgefäße einherzugehen scheint. Dies führt zu erhöhter Anspannung und veränderter Muskelaktivität. Zudem scheint häufig eine Reizverarbeitungsstörung vorzuliegen, die zu erhöhter Nervenaktivität führt. Die individuellen Auslöser der Migräneanfälle sind sehr unterschiedlich: So können hormonelle Veränderungen, aber auch Ernährung, Schlafstörungen oder psychische Belastungsfaktoren eine Rolle spielen. Letztere sind häufig Zustände von Überlastung, aber auch von plötzlicher Entlastung nach vermehrter Anspannung. Migräne-Betroffene leiden tendenziell unter erhöhter Stressbelastung und damit verbundener Anspannung. Eine Häufung von gleichzeitig bestehenden Depressionen oder Angst konnte festgestellt werden. Die Symptome der Depression und/oder Angst werden oftmals nicht als psychisches Leiden verstanden, sondern die Betroffenen erleben ihre Anspannung als Ausdruck einer körperlichen Erkrankung: Dies bezeichnet man in der Psychosomatik als „Somatisierung“. Diese könnte z.B. im Dienste einer Bewältigung von unterdrücktem Ärger, Frust und Wut oder eines unterdrückten Wunsches nach Fürsorge stehen. Gelegentlich erweisen sich die Methoden, mit denen Migräne-Betroffene ihren Stress zu bewältigen suchen, als langfristig nicht hilfreich: Beispielsweise neigen viele zu entweder übermäßigem Schonverhalten oder Selbstüberforderung.  Dies hängt auch damit zusammen, dass Betroffene vielfach sehr hohe Leistungsansprüche an sich stellen, nicht selten auch eine Tendenz zur Selbstausbeutung und zum Perfektionismus zeigen. In diesem Zusammenhang sind belastende Faktoren der aktuellen sowie der vergangenen Lebenssituation festzustellen.

 

Behandlungsmöglichkeit

Eine neurologische Behandlung und medikamentöse Therapie ist bei der Migräne Mittel der Wahl. Bitte lassen sie sich daher zunächst von einem Facharzt für Neurologie zur Medikation und Verhaltensweisen beim Anfall beraten. Auch ist das Führen eines Schmerzkalenders hilfreich.  Besteht zusätzlich zur Migräne eine psychische Erkrankung oder wirken psychische sowie psychosoziale Faktoren bei der Ausprägung der Erkrankung verstärkend, sollten Sie auch mit einem Fachexperten für Psychosomatische Medizin in Kontakt treten. Dabei kann es darum gehen, Ursachen zu identifizieren und zu verstehen, wie diese im Zusammenhang mit Angst oder Ärger stehen könnten. Werden die hinter den Schmerzen liegenden Gefühle, Konflikte oder Motive verstanden, kann dies den Weg zu einem besseren Umgang mit der Erkrankung ebnen und zu mehr Lebensqualität führen. Eine psychosomatische Begleitung bietet z.B. die gemeinsame Erarbeitung von Methoden, mit den Schmerzen oder auslösenden Belastungsfaktoren besser umzugehen, zudem die Vermittlung von Entspannungs- und Bewegungsverfahren wie z.B. Progressive Muskelrelaxation (nach Jacobson), Autogenes Training oder die Aufnahme von Ausdauersport.


Migräne